Rehkitzsuche

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    • Rehkitzsuche

      Rehkitzsuche in der Praxis


      Am Beispiel eines gelungenen Einsatzes zur Rehkitzrettung möchte ich kurz den Ablauf dokumentieren. Es handelte sich hierbei um ein großes Mahdgebiet, das für uns ein Suchgebiet von ca. 19Ha bedeutete.
      • 19 Hektar Suchgebiet, Mittelgebirgs-Terrain mit Baumbestand und Hanglagen
      • 9 gefundene Tiere
      • 3 Stunden Gesamtflugzeit (mit Einweisung der Helfer mit Zweitmonitoren mit dem Lifebild der Wärmebildkamera und Walkies).
      • Gesamteinsatzzeit 6 Stunden mit Vorlauf, Ortswechsel und drei Startpunkten

      Vorbereitung

      Vorab-Info zum Suchgebiet (spätestens am Abend vorher) und Vorbereitung

      Vom zuständigen Jagdpächter bekamen wir am Abend vorher eine Karte, in der das Mahdgebiet eingezeichnet war. Diese Karte war ideal als Ausgangsmaterial für die Flugplanung.


      Damit legten wir dann im Büro am Desktoprechner (das ist einfacher und angenehmer) das eigentliche Suchraster fest. Wir fliegen im Spessart auf Grund der topografischen Verhältnisse und des Baumbewuchs in einer Höhe von 50m. Die Qualität und Auflösung unserer Wärmebildkamera ermöglicht uns den Einsatz in dieser Flughöhe. Es ergibt sich daraus eine Suchkorridorbreite von 15m pro Bahn. Dieser Wert enthält auch eine gewisse Überlappung zwischen den Bahnen. Das stellt sicher, dass wir keine Lücken im Abfliegen haben (etwas, das manuell kaum möglich ist).

      Die verwendete Software ist qGroundControl, hier auf einem Apple iMac. Danach wird die komplette Flugplanung auf das Tablet übertragen. Zusätzlich laden wir auf dem Tablet auch schon die passenden Ausschnitte der Satellitenkarten von Google Maps vor, falls vor Ort keine Internetverbindung möglich ist.

      Ablauf vor Ort

      Aufbau
      Das Suchgebiet wurde entsprechend der tatsächlichen örtlichen Begebenheiten in drei Teile eingeteilt. Da wir ausreichend Helfer vor Ort hatten (Vielen Dank, Tarama und ihr Team!) Während wir die Ausrüstung aufbauten und den Start vorbereiteten, begannen die Helfer schon damit, die von Bäumen bedeckten Ränder und Bereiche des Suchgebiets abzulaufen. Das ist deshalb wichtig, da wir aus der Luft mit der Wärmebildkamera nicht unter ein dichtes Laubdach sehen können.


      Flug
      Dann erfolgt der erste Start. Der Kopter hat eine senkrecht exakt nach unten ausgerichtete Wärmebildkamera mit einer hohen Auflösung (640x512px) an Bord.

      (Anmerkung: Im Detailbild rechts ist die Ausrichtung nicht exakt nach unten, weil hier der Gimbal bei der Aufnahme im Studio der Kamera ausgeschaltet war)

      Das Bild einer Wärmebildkamera sieht in der bei Suchflügen üblichen Ansicht im so genannten „Alert-Modus“ übrigens so aus:

      Das links unten ist der Traktor mit Mähwerk. Die Flughöhe beträgt 50m.


      Rehkitz-Sichtung
      Wenn nun ein wahrscheinliches Rehkitz gesichtet wird, unterbrechen wir den Suchrasterflug des Kopters und schicken die Retter zu Fuß los. Diese haben wir vorher mit einem kleinen tragbaren Monitor und Walkies ausgestattet. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass simple Walkies im Spessart besser funktionieren als Handys. Das Bild, das die Retter auf ihrem eigenen Monitor sehen, sieht dann so aus:
      Die beiden kleinen roten Punkte sind zwei Rehkitze.

      Tatsächlich sieht eines der Beiden in Wirklichkeit dann so aus:


      Ich denke, man kann hier sehr gut erkennen, was wir eigentlich suchen, und was wir mit dem geeigneten Equipment und Knowhow auch zu finden in der Lage sind. Ich denke, man bekommt so eine gute Vorstellung davon, weshalb die Tiere normalerweise äusserst schwer zu entdecken sind.Hier sieht man nochmal recht gut die Größenverhältnisse eines kleinen Tieres:


      Anschließend sichern die Retter das Rehkitz oder bringen es aus dem Gefahrengebiet. Das Kitz wird dabei nur mit viel Gras und Handschuhen angefasst, damit es durch den menschlichen (Raubtier-)Geruch nicht kontaminiert wird und so vom Muttertier wieder problemlos angenommen wird. Die Kitze schrien übrigens recht laut nach ihrer Mutter, damit diese sie wieder finden kann.



      Technische Details

      Zur Rehkitzsuche kommt bei uns aktuell ein speziell für Suchaufgaben gebauter Kopter zum Einsatz. Es handelt sich dabei um eine Eigenentwicklung. Der Kopter ist ein voll regenflug- und schlechtwettertauglicher Quadrokopter in gekapselter Vollkarbonbauweise.
      • Abfluggewicht: 3990g
      • Flugzeit 30 Minuten im realen Missionsflug (nicht nur im theoretischen Schwebeflug)
      • Flightcontroller Pixhawk 2.1 „The Cube“ mit GPS Drotek m8n
      • 2x Lipo 6S5200mAh im Korpus
      • Fernsteuerung über Taranix X9D, TBS Crossfire und Telemetrie/Video auf Tablet
      • modifizierter Gimbal Feiyutech WG2 mit FLIR ProR 640 / 19mm-Optik
      • Videoübertragung auf 5,6GHz analog, Bodenstation mit Antennen-Tracker und Videorelais auf 5,6 GHz Ground und 2,4 GHz Wifi digital für Tablet und Zuschauer-Monitore



      Zusammenfassung und Ergebnis

      Bei dieser Aktion, bei der wir, wie am Anfang schon beschrieben, eine recht große Fläche unter sehr schwierigen Umständen erfolgreich absuchen konnten, waren wir mit dem Ergebnis rundum zufrieden.
      Die Geländebedingungen waren deshalb herausfordernd, da es sich um ein langgezogenes Gebiet mit spessarttypischer Hanglage und Baumbewuchs handelte. Durch das System und die Komponenten konnten wir dennoch in der gesetzten Zeit die Zielsetzung erreichen:
      • Der Kopter hat mit 30 Minuten eine akzeptable Flugzeit, dadurch hatten wir die optimale Möglichkeit der Live-Einweisung der Retter. Die Missionen konnten problemlos zum Akkuwechsel unterbrochen und wieder aufgenommen werden. Das Nachladen der Akkusätze geschah parallel dazu über große Autobatterien.
      • Durch die Wärmebildkamera der 640er-Klasse konnten wir eine ausreichende Flughöhe von 50m halten, die den Kopter trotz der Höhenunterschiede der Hanglage sicher außerhalb von Baumkronen hielt.
      • Die Bildweiterleitung auf Zuschauermonitore und die tragbaren Monitore für die Retter machten die Einweisung zur Sichtung hin viel leichter.
      • Wir hatten einen engagierten Jagdpächter, der die Suche mit Kartenmaterial im Vorfeld gut vorbereitet hat.
      • Man muss auch das erwähnen: die nötige politische Unterstützung durch Bürgermeister, Gemeinde und Bauernschaft, an der es leider immer noch in anderen Gebieten massiv mangelt.
      • Und vor allem: wir hatten das optimale Retterteam, gut organisiert und engagiert!
      Danke an alle Beteiligten!

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Fingadar ()

    • Was genau meinst Du, Rolf?

      Ich habe eine kleine Bodenstation mit Tracker. Die Videoübertragung geschieht aus unterschiedlichen Gründen analog auf 5,8Ghz, als Empfänger habe ich einen ImmersionRC Duo. Vom einen analogen Ausgang des ImmersionRC geht es über einen Grabber in den Raspberry Pi3 der Bodenstation, der das Bild dann im Wlan am Boden an digitale Endgeräte (Tablet) verteilt.

      Der zweite analoge Ausgang des Duo ist wiederum mit einem 5,8Ghz-Sender verbunden, der das Signal auf einer anderen Frequenz weiterleitet. Das hat für mich den Vorteil, dass ich am Boden auch mehrere analoge „Endgeräte“ verwenden kann. Zur besseren Trennung ist die Verbindung zum Kopter RHCP auf 5760, am Boden LHCP auf 5860 (glaube ich, müsste ich jetzt nachschauen).

      Ich würde statt des ImmersionRC mal gerne den Clearview von Iftron probieren. Aber ich habe über den bislang zu viel unterschiedliches gelesen und zur auf Verdacht ist der mir echt zu teuer.

      Viele Grüße,
      Stefan